Das Blog als leeres Blatt oder: Das Erzählen wieder entdecken

Jeder Schriftsteller kennt und fürchtet es: Das Leere-Blatt-Syndrom. Der große Erzähler Ernest Hemingway etwa brauchte grundsätzlich einen „Anschub-Whisky“ in der Stammkneipe, um seine Feder in Schwung zu bringen. Es muss ja nicht gleich Hemingway sein: Auch für uns Blogger ist das Leere-Blatt-Syndrom eine ständige Herausforderung. Schließlich lebt ein Blog davon, dass es möglichst häufig mit Neuigkeiten aufwartet.

Dabei ist es im Prinzip egal, ob ein Blogger für sich selbst schreibt oder ob er gleich einen ganzen Haufen von Kollegen zum Bloggen animieren und befähigen soll – so wie ich momentan. Die ewig gleiche Frage der angehenden Unternehmens-Blogger lautet: Was sollen wir denn bloß schreiben? Wir wollen ja gerne. Aber uns fällt überhaupt nichts ein!

Bloggen bedeutet: Ein Thema hat uns gepackt

In solchen Fällen weiß das Netz Rat – auf den ersten Blick. Unzählige Thementipps schwirren herum. „7 Blogthemen, die immer gehen…“, „20 Posts, die Ihre Kunden umhauen…“ und so weiter und so fort. An jeder Ecke mahnen die PR-Gurus: Führe nur sorgfältig einen Redaktionsplan, dann hast du immer genügend Texte in der Not! Logo. Im Unternehmen gibt es ja auch einige mehr oder weniger originelle Quellen – von der Pressemitteilung bis zum Betriebsausflug…

Ins Fliegen kommt ein Blog damit allerdings nicht. Blogger wissen, dass ein guter, spannender, gemeiner, kontroverser oder lustiger Blogbeitrag nur dann entsteht, wenn uns ein Thema wirklich packt. Wenn uns gerade wieder irgendetwas so richtig geärgert hat – oder gefreut. Wenn etwas, das schon länger in uns gärt, nun endlich raus will. Wenn wir so ein richtiges Steckenpferd haben und unsere Begeisterung darüber gerne mit der Welt teilen. Kurz: Wenn wir etwas ERZÄHLEN möchten.

Setzt euch wieder ans Lagerfeuer und erzählt!

Meiner Meinung nach liegt der Hund beim Bloggen im Unternehmen genau hier begraben: Viele glauben, sie hätten nichts zu ERZÄHLEN. Aber das stimmt überhaupt nicht! Die Kollegen haben den besten Zugang zu den Geschichten rund um das Unternehmen und vor allem seine Kunden und was wiederum diese Kunden bewegt. Sie kennen die Geschichten. Sie schreiben alle laufend mit an der großen Story, ja sogar am Mythos des Unternehmens.

Den Kollegen fehlt häufig nur der Zugang zu den unzähligen Perlen, die sie mit sich herumtragen – sei es aus aus mangelnder Praxis oder weil das Erzählen in der täglichen Hetze aus der Mode gekommen ist. Diesen Schatz gilt es zu heben! In früheren Zeiten saßen die Menschen nachts ums Lagerfeuer und jeder erzählte reihum eine Geschichte (ok, vielleicht durfte der Chef zuerst, aber vom Prinzip her! ;)) Das ist eine Gabe, die uns leider ziemlich abhanden gekommen ist.

Geschichten ziehen Menschen magisch an

Die große Chance liegt darin, diese uralte Tradition wieder zu pflegen, zu fördern und vor allem ernst zu nehmen. Dann können wir packende und relevante Geschichten erzählen, ohne mit plumper Werbung zu langweilen. Dann können Mitarbeiter als Blogger wirklich im besten Sinne zu „Markenbotschaftern“ werden.

Geschichten ziehen Menschen magisch an – gerade auch im Business-Umfeld mit all seinen Folien-geschädigten Protagonisten. Wo eine gute, authentische Story erzählt wird, werden sie sich gerne dazu gesellen, lauschen und mitreden wollen. Und sie werden neugierig auf mehr.

Und genau das ist die hohe Kunst des Bloggens!

PS Zum Thema Storytelling läuft derzeit eine Blogparade auf dem Reichweite Blog. Gute Idee!

 

 

 

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