Gastinterview: Recruiting mit Unternehmensblogs

Eine Personalerin aus der Schweiz, die sich für Unternehmensblogs interessiert?! Diese Kombi fand ich gleich dreifach interessant an Liliane Kuert. Aktuell hat Liliane eine Arbeit über das Thema Recruiting via Unternehmensblog geschrieben. Deshalb habe ich sie gleich gefragt, ob ich sie mir ein Interview auf Start Talking geben mag. Wegen der vielen interessanten Gedanken bringe ich es in zwei Teilen.

Liliane Kuert

Liliane Kuert

Zu Liliane: Sie ist studierte Betriebsökonomin und verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Bereich Human Resources Management. Von großem Interesse war für sie dabei stets die Anwerbung und Verpflichtung von geeigneten Fach-, Führungs- sowie Nachwuchskräften. Im Einsatz der sozialen Medien zum Aufbau der Arbeitgebermarke sieht sie für Unternehmen noch viel Potenzial. Zurzeit absolviert sie den Lehrgang CAS in Social Media and Conversion an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel – und zwar im Rahmen des Studiums zum Executive MBA in Leadership und Management an der Berner Fachhochschule.

Liliane, ich gratuliere: Du hast vor kurzem deine Arbeit „Das Unternehmens-Blog mit Fokus Employer Branding“ im Rahmen des Studiengangs CAS Betriebswirtschaft für Fortgeschrittene an der Berner Fachhochschule erfolgreich abgeschlossen. Was hat dich gerade an diesem Thema interessiert?

Social Media fasziniert mich schon sehr lange. Die fast grenzenlose Vielfalt, Menschen zusammen zu bringen und sich untereinander auszutauschen, finde ich wunderbar. Mit vergleichsweise wenig Aufwand kann ich heute meine Botschaft nach außen tragen und erhalte, sofern ich das zulasse, zeitnah eine direkte und offene Rückmeldung.

Mein ehemaliger Dozent Bruno Bucher schreibt in seinem Buch Digital Marketing, dass heute jedes Unternehmen, unabhängig von den zur Verfügung stehenden Ressourcen, ein Blog führen könne, denn es gäbe im Internet unzählige Anbieter von Gratissoftware. Diese Aussage weckte mein Interesse, und ich wollte mir ein Bild machen, was es heißt, ein Blog in einem professionellen Umfeld aufzubauen und zu führen. Das Thema mit meiner beruflichen Herkunft, ich arbeite seit über 10 Jahren im Bereich Human Resources, zu verbinden, lag für mich auf der Hand.

Eine Personalerin, die sich für den Einsatz von Unternehmensblogs stark macht – das ist ungewöhnlich, zumindest würde ich das mit Blick auf Deutschland sagen. Denken viele Berufskollegen in der Schweiz so wie du?

Im Rahmen meiner Recherchen zu oben erwähnter Arbeit habe ich immer wieder festgestellt, dass die Berührungsängste Social Media gegenüber nach wie vor groß sind. Zudem schreckt der Aufwand ab. Dies unabhängig davon, aus welchen Bereichen die Berufsleute stammen, mit denen ich gesprochen habe. Es mag ungewöhnlich sein, dass ich mich als ehemalige Personalleiterin für den Einsatz von Unternehmensblogs stark mache. Doch in Zeiten, in denen es zunehmend schwieriger wird, die richtig qualifizierten Mitarbeitenden zu finden, sollten gerade wir ein großes Interesse haben, jede Form von Marketing einzusetzen, um unser Unternehmen mit einer starken Arbeitgebermarke am Markt zu platzieren. Und dazu gehören heute eben auch die sozialen Medien.

Wie viele Unternehmen in der Schweiz setzen überhaupt Unternehmensblogs ein – gibt es dazu nach deinen Recherchen verlässliche Zahlen?

Die Bernet ZHAW Studie 2013 besagt, dass die Blütezeit von Blogs in der Schweiz vorbei sei. In der Rangfolge der meistgenannten Social Media Plattformen belegen Blogs nur noch Platz 10. Sie verlieren aufgrund des hohen Aufwandes an Beliebtheit bei den Unternehmen. Noch rund ein Viertel der befragten Organisationen führen ein Blog.

Für mich ist diese Entwicklung aus Sicht der Organisationen absolut nachvollziehbar. Es ist kurzfristig betrachtet weniger aufwendig, täglich einen Tweet abzusetzen oder drei bis vier Mal pro Woche einen kurzen Beitrag mit Foto auf Facebook zu posten. Wird man sich jedoch bewusst, dass diese Daten auf Plattformen veröffentlicht werden, auf welche man keinerlei Einfluss hat, lohnt es sich aus meiner Sicht, nochmals darüber nachzudenken, ob sich das Unternehmensblog, bei welchem ich unabhängig von Plattformen bin, nicht besser als zentrales Element der Social Media Strategie eignet. Von meinem Blog kann ich dann Plattformen und Kanäle wählen, um den Bloginhalt zu verbreiten.

Werden Unternehmensblogs in der Schweiz gelesen?

Eine im letzten Jahr durchgeführte Online-Befragung einer Zürcher Online Marketing & Social Media Agentur ergab, dass die private Nutzung von Blogs klar bevorzugt wird. Zwei Drittel der Befragten gab dagegen an, niemals Blogs im geschäftlichen Rahmen zu nutzen. Weshalb Blogs nicht häufiger im geschäftlichen Umfeld genutzt werden, darüber lässt sich spekulieren. Liegt es am Inhalt, an einer zu langen Veröffentlichungskadenz oder einfach daran, dass sich Leserinnen und Leser heute die Zeit nicht mehr nehmen, einen Blogbeitrag zu lesen, der mehr als vier Sätze umfasst? Im Zusammenhang mit dem Thema Employer Branding würde ich dieses Ergebnis allerdings als nicht allzu negativ beurteilen. Immerhin besteht die Chance, dass die private Nutzung von Blogs auch die Suche nach Informationen über potentielle Arbeitgeber einschließt.

Welchen potenziellen Nutzen bringen Unternehmensblogs aus deiner Sicht bei der Rekrutierung von Fachpersonal?

Aus meiner Sicht gibt es zwei ganz wesentliche Punkte: Einerseits erhöhe ich mit einem Unternehmensblog meine Sichtbarkeit, indem bei einer Schlagwortsuche im Internet neben meiner Website auch die Blogbeiträge aufgelistet werden. Verschaffe ich mir mit einem spannenden Thema oder Titel bei den Suchenden die nötige Aufmerksamkeit, stehen die Chancen gut, dass sie mein Blog besuchen und auf allfällige Stellenausschreibungen stoßen.

Andererseits muss das Ziel eines Unternehmensblogs sein, potenzielle Bewerber so anzusprechen, dass sie den Wunsch verspüren, für diese Organisation arbeiten zu wollen. Je nach Branche und Geschäftstätigkeit entscheidet sich ein Unternehmen vielleicht für eine Fachführerschaft, mit welcher sie ganz gezielt Fachleute mit dem Blog anziehen will. Oder sie gewährt mit einem authentischen, von Mitarbeitenden geführten Blog ungewöhnliche Einblicke hinter die Kulissen und schaffte es damit, eine Beziehung zu möglichen Bewerbern aufzubauen.

Was sicherlich immer hilft, ist ein Produkt oder eine Marke, mit welcher man sich leicht identifizieren kann. Damit sind aber gerade viele Unternehmen im Bereich B2B nicht ausgestattet. Ich finde, dass Sie in Ihrem Buch diesen Aspekt sehr gut beschreiben und  klar darauf hinweisen, dass sich eine Organisation Gedanken dazu machen muss, wen sie mit ihrem Blog ansprechen wollen und wie ihre Botschaft lautet.

Ihr könnt Liliane Kuert unter @LilianeKuert auf Twitter folgen

Und im zweiten Teil des Interviews erfahren wir von Liliane, wie sich mit Unternehmensblogs sogar Geld einsparen lässt und warum Unternehmen in der Schweiz immer noch zögerlich sind, wenn es um den Einsatz von Blogs bzw. Social Media geht.

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