Recruiting mit Unternehmensblogs, Teil 2

Liliane Kuert plädiert für den Einsatz von Unternehmensblogs im Recruiting. Sie hat kürzlich eine Arbeit zu diesem Thema veröffentlicht. In Teil 2 meines Interviews mit der Schweizer Personalerin geht es um Kostenersparnisse und interne Hindernisse beim Bloggen. Außerdem empfiehlt Liliane einige Schweizer Blogs.

Du hebst in deiner Arbeit auch den Aspekt der möglichen Kostenreduzierung bei der Personalfindung hervor – wie ließe sich das aus deiner Sicht messen?

Kosten und der zeitliche Aufwand sind vielgenannte Gründe, weshalb Unternehmen davon zurück schrecken, sich auf Social Media einzulassen. Wie jede andere Marketing-Maßnahme, müssen sich jedoch auch mit Social Media Aktivitäten Einsparungen oder höhere Gewinne erzielen lassen. Im Bereich Employer Branding sehe ich das Einsparungspotential klar bei der zeit- und kostensparenderen Einstellung von Personal. Eine höhere Anzahl Initiativbewerbungen oder Bewerbungen auf offene Stellen kann ein Hinweis auf eine bessere Reputation oder einen höheren Bekanntheitsgrad sein, den ich dank den Social Media Aktivitäten erreicht habe. Damit kann ich meinen Bewerberpool ausbauen, und bei Bedarf habe ich möglicherweise das passende Profil bereits zur Hand. So müsste ich auch Kosten für externe Personaldienstleister einsparen können.

Weiter sehe ich, wie oft meine auf der Website aufgeführten Stellenausschreibungen über die auf dem Blog veröffentlichten Links angeklickt wurden. Oder wie oft das Blog weiter empfohlen wurde, was mir wiederum einen Hinweis auf meine Reputation und die Reichweite gibt. Die Erfolgsmessung ist jedoch in jedem Fall eine Kombination aus Online-Kennzahlen und Offline-Zielvorgaben, denn Likes und Followers alleine sagen wenig über den effektiven Erfolg aus.

Aus deiner eigenen Erfahrung: Welche internen Hindernisse gilt es bei der Einführung eines Unternehmensblogs im Unternehmen zu überwinden?

Wie bereits erwähnt, sind Berührungsängste ein zentrales Thema. Oft sind diese in der Geschäftsleitung am größten. Einen Grund sehe ich im mangelnden Wissen im Umgang mit dem Thema Social Media und mit der dialogischen Kommunikation. Organisationen fürchten sich vor negativen Kommentaren und wissen nicht, wie sie diesen begegnen sollen. Dies führt zu Unsicherheit und schlussendlich zur Verweigerung. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der zeitliche und damit auch finanzielle Aufwand, der sicherlich nicht zu unterschätzt ist.

Wenn die eigenen Mitarbeitenden bloggen sollen, muss die Geschäftsleitung das nötige Vertrauen schenken. Die Mitarbeitenden werden verstärkt eingebunden und treten ganz offiziell als Botschafter ihrer Organisation auf. Die verstärkte Einbindung der Mitarbeitenden und die Öffnung der Kommunikation hat einen Kulturwandel zur Folge, für welchen eine Unternehmung bereit sein muss. Zudem muss das effektive Arbeitgeberangebot mit dem vermittelten Angebot übereinstimmen, ansonsten dürften Mitarbeitende nicht lange gebunden werden können und die Reputation wird Schaden nehmen.

Ich bin aber überzeugt, wenn sich ein Unternehmen die nötigte Zeit nimmt und die benötigten Ressourcen bereitstellt, um eine Social Media Strategie aufzustellen und umzusetzen, dann können viele der oben erwähnten Stolpersteine und Unsicherheiten aus dem Weg geräumt und das Potenzial der sozialen Medien ausgeschöpft werden.

Welche Schweizer Unternehmen bloggen aus deiner Sicht besonders erfolgreich?

Ich beschäftige mich momentan vor allem mit den verschiedenen Social Media Plattformen und folge daher einigen Fachblogs wie beispielsweise dem Social Media und Facebook Marketing Blog von Thomas Hutter. Infos rund um das Thema Blog finde ich auf dem Blog der Agentur Blogwerk. Im Bereich Employer Branding ist sicherlich Jörg Buckmann immer wieder eine Inspiration.

In der Schweiz sind die Reisebranche, aber auch Banken und Versicherungen aktiv. Einige nutzen das Unternehmensblogs auch gezielt im Rahmen des Employer Brandings. So war ich beispielsweise während meinen Recherchen mit der Verantwortlichen für das Karriere-Blog der Baloise Groupe in Kontakt.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg, Liliane!

Ihr könnt Liliane auf Twitter unter @LilianeKuert folgen

Hier geht’s zu Teil 1 des Interviews auf Start Talking

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