State of Marketing 2015: Social schmeißt Kinderschuhe weg

“Seid social, es kostet nix!”

“Seid social, es kostet nix!” Kann ein Unternehmen Mitarbeiter mit diesem Schlachtruf langfristig dafür gewinnen, sich als Markenbotschafter im Social Web zu engagieren? Meiner Meinung nach motiviert dieses Argument nicht. Ein Kostenlos-Etikett macht das freiwillige (!) berufliche Posten, Netzwerken, Sharen und Liken im Sinne des Unternehmen nicht attraktiver. Es ist im Gegenteil eine kontraproduktive Botschaft. Denn alles was nix kostet – ist bekanntlich nichts wert. Und wer will es dann haben oder machen?

Kostspielige SEM/SEO-, Email- und Banner-Kampagnen haben heute einen hohen Stellenwert. Mein Eindruck: Je teurer sie sind, desto weniger wird ihr Beitrag zum Unternehmenserfolg in Frage gestellt. Eben weil sie viel Geld kosten. Klingt widersinnig, ist aber häufig so. In jüngerer Zeit gesellt sich die Social Werbung dazu. Obwohl viele Unternehmen den großen sozialen Netzwerken ohne nachweislichen ROI immer mehr Geld in den Rachen werfen, genießen Social Ads bei Marketiers inzwischen ein gewisses Ansehen. Ein wichtiger psychologischer Grund dafür: Social Ads gefährden das alte, überkommene Budget-, Werbe- und Zielgruppendenken im Marketing nicht grundsätzlich. Der wohlvertraute Deal lautet: Du zahlst für Werbung- der Kunde klickt – du verdienst.

Social gibt es nicht zum Nulltarif

Aber zurück zu “Social kostet nix”. Warum ist diese These irreführend? Ganz einfach: Wer sein Unternehmen wirklich social  machen will, um für die Zukunft gerüstet zu sein, muss bereit sein, die Wertigkeit dieser Aufgabe ganz oben zu verorten – und eine Menge zu investieren. Dabei geht es nicht nur um Geld  – etwa für Kommunikations- und Change-Berater, Enablement-Maßnahmen, Systeme wie interne Social Networks, relevanten Content etc. Es geht es um das klare Commitment des Managements sowie aller wichtigen Stakeholder im Unternehmen, die gesamte Organisation auf social auszurichten.

Was heißt das? Unternehmenskommunikation auf Blogs, Facebook & Co ist schön und gut. Aber es geht um viel mehr. Es geht es darum, social nahtlos in die Geschäftsprozesse zu integrieren, ja in die DNA eines Unternehmens aufzunehmen, um auch in Zukunft noch am Markt erfolgreich zu sein. Beispiel: Wenn der Kunde Service und Support über Social Media einfordert, lässt sich das nicht (oder nur über einen gewissen Zeitraum) wegleugnen und ignorieren. Das Thema muss angegangen und gelöst werden. Sonst kommen andere, die die Herausforderung verstanden haben und verdrängen auf Dauer das weniger flexible Unternehmen.

Um in diesem Wandel erfolgreich zu sein, hilft folgendes Leitmotto: All Business is Human2Human (H2H) – im Gegensatz zu B2B oder B2C.

Fazit: Wer social im Unternehmen wirklich umsetzen und leben möchte, bekommt das nicht zum Nulltarif.