Social Media in Unternehmen: Dialog ist nicht käuflich!

Tja, liebe Leute, für die „Träumer“ unter uns sind harte Zeiten angebrochen. Wer vor einigen Jahren während des ersten Hypes so richtig „thrilled“ darüber war, welche Revolution durch die Nutzung Social Media in die Unternehmenskommunikation einzieht und sich darüber auf den einschlägigen Events (ich denke gerne an meinen ersten Twittwoch in der Münchner Niederlassung zurück!) die Köpfe heiß geredet hat, erhält derzeit so manchen schmerzhaften Dämpfer.

Von ernüchterten PR-Profis höre ich immer öfter Sätze wie: „Du und ich glauben vielleicht, dass Unternehmen das nutzen müssen – aber diese glauben das deswegen noch lange nicht und brauchen es letzten Endes auch nicht.“ Offenbar scheint die Idee, dass dialogische Kommunikation für Unternehmen höchstens eine Option ist, allmählich (wieder) salonfähig zu werden. Können wir zu unseren Kunden heute wirklich ernsthaft sagen: „Für Sie ist das nichts“ ? Das mindeste, wozu wir raten müssen ist: Beschäftigt euch mit dem Social Web, ihr seid auch davon betroffen und wenn es nur dadurch ist, dass im Web NIEMAND über euch spricht.

Und ich höre auch, dass für manche Kunden eifrig Fans und Follower gekauft (!) werden, weil diese Kunden dieselben quantitativen Vorgaben machen wie eh und je. (Ich kann mich noch sehr gut erinnern an mühsam zusammengeschraubte Kundenreports, weil in jedem Jahr zehn Prozent mehr Presseclips gefordert wurden. Die Ergebnisse wurden jedoch nicht in irgendeinen Zusammenhang mit den Geschäftszahlen gestellt).

Das alles bedeutet: Nach der ersten (produktiven) Verunsicherung durch das neue Thema Social Media betreiben viele in Marketing und PR wieder Business as usual – nur eben jetzt über Social Media „Kanäle“. Vielleicht bin ich eine unverbesserliche Träumerin – aber es macht mich wütend! Und ich nehme an, dass Machenschaften wie das künstliche Aufstocken von Fanzahlen oder der Einkauf von positiven Blogkommentaren für so manchen nach hinten losgehen werden (Stichwort Shitstorm). Mich macht es auch traurig, dass da offenbar eine tatsächliche Revolution der Kommunikation  gründlich missverstanden wird.

Selbstverständlich wollen Unternehmen erfolgreich sein mit ihrem Engagement im Social Web. Und selbstverständlich muss so ein Erfolg am Ende auch nachweisbar sein. Aber das setzt konzeptionelles Denken voraus und kostet echte Arbeit, Einsatz und auch Ressourcen. Und es erfordert einen echten Willen, sich mit  Erwartungen und Meinungen von Dialoggruppen auseinanderzusetzen. Einen echten Dialog kann man nun einmal nicht einkaufen! Weder auf Facebook noch sonst irgendwo.

Mir kommt es so vor, als ob einige einfach eine Abkürzung durch die Prärie nehmen, um der wahren Herausforderung auszuweichen: Unternehmenskommunikation ist heute keine Einbahnstraße mehr – es wird höchste Zeit, ins Gespräch zu kommen. Wer diese Aufgabe richtig anpackt, macht am Ende bessere Geschäfte und ist besser gerüstet für die Zukunft als andere. Davon bin ich überzeugt.

So – und jetzt freue ich mich auf ein ordentliches Träumer-Bashing – oder ein Lob auf alle Träumer! 😉

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