Wer ist hier unsichtbar? Ein Kinoabend der anderen Art #hiddenfigures

Wer ist hier unsichtbar? Ein Kinoabend der anderen Art #frauentag

Alle Mädchen sollten diesen Film sehen! Am besten auch alle Jungs! Von „Hidden Figures“ berührt, bewegt und beschwingt strömten die Besucherinnen gestern am späten Abend aus dem Kinosaal im Mathäser. Microsoft hatte aus Anlass des heutigen Frauentages zur Filmvorführung mit einleitendem Panel und Popcorn eingeladen.

Eine Filmkritik ist an dieser Stelle nicht nötig. Der Streifen wurde in den Feuilletons sattsam besprochen und war mehrfach für den diesjährigen Oskar nominiert. Nur so viel: Vor allem bei den kleinen fiesen Momenten, die die drei schwarzen Heldinnen bei ihrem steinigen Weg nach oben durchleben müssen, ging immer wieder ein hörbarer Seufzer durch Publikum. Denn fast jede Frau kennt auch heute noch (!) solche Momente aus eigener Erfahrung.

Fiese Momente, die fast jede Frau kennt

Beispiel: 1961. Ein Raum voller kritisch dreinschauender weißer männlicher Kollegen. An der Tafel löst Mathe-Genie Katherine im Sauseschritt ein hochkomplexes Problem. Hintergrund: Eine bemannte Raumkapsel mit dem US-Astronaten John Glenn an Bord soll im unbarmherzigen Wettlauf mit den Russen erstmals die Erde umrunden. Glenn muss natürlich unbeschadet zur Erde zurückkehren statt in der Atmosphäre zu verglühen.

Kaum hat Katherines kleinkarierter Chef (ausgerechnet der großartige Jim Parsons aus Serie „Big Bang Theory“!) seine Klappe wieder zugekriegt, quittiert er ihre offenkundige Genialität mit diesem dürren Satz: Dann schreib das gleich mal nieder. Clever. Denn so degradiert er die Kollegin im Handumdrehen wieder zur Tipse. Und das, obwohl er selbst gerade ganz schön alt aussah.

Doch Hollywood wäre nicht Hollywood, wenn nicht der supervirile NASA-Boss Al Harrison (Kevin Costner spielt die Rolle wirklich sehr gut ;)) himself beim großen Showdown darauf angewiesen wäre, dass Katherine die Berechnungen des neuen IBM Mainframes in Windeseile überprüft, damit die Raumkapsel wirklich heil wieder runterkommt. 😉

Hidden Figures? Geballte weibliche Erfahrung auf dem Panel

Wie steht es um die Karrierechancen für Frauen – besonders im Hinblick auf die sogenannten MINT-Berufe? Und was muss passieren, um die Perspektiven für Frauen weiter zu verbessern – auch wenn es langsam aber sicher aufwärts geht?

Darüber diskutierten vor dem Filmstart Rosa Riera (Siemens), Melanie Wyssen-Voß (Roland Berger), Natascha Zeljko (myself Germany), Sylvia Kegel (deutscher ingenieurinnenbund e.V. (dib)) und Masa Matejic (Microsoft) mit der Moderatorin Simone Fasse (Tech- und Wirtschaftsjournalistin).

Dabei wurde nicht nur gekuschelt. So sprach Natascha Zeljko (stellvertretende Chefredakteurin by „myself“) angesichts der miesen politischen Großwetterlage zu Beginn der Diskussion ein deutliche Warnung aus: „Wir Frauen müssen aufpassen, dass uns die bisherigen Errungenschaften nicht wieder genommen werden!“

Die eingängigsten Thesen auf dem Podium

Vorbilder machen Mut: Als ein Beispiel nannte Natascha Zeljko die Vorstellung erfolgreicher weiblicher „Role Models“ in den Medien.

Sichtbarkeit ist das A und O: Von wegen „Hidden Figures“. Frauen brauchen noch viel mehr Mut zum Mitzumischen – ob auf den Bühnen dieser Welt oder bei der täglichen Diskussion im Abteilungsmeeting.

Diversity ist nicht nur Frauensache: Rosa Riera von Siemens hob hervor, dass das Thema Diversity für alle Seiten wichtig sei. So bekämen bei Siemens selbstverständlich auch Väter das Angebot, in Teilzeit zu arbeiten. Auch auf Teams mit einem ausgeglichenen Anteil an Frauen und Männern lege sie großen Wert.

Mentoring und Netzwerken sind Pflicht: Eine junge Frau im Publikum berichtete gestern, dass sie gleich beim Berufseinstieg bei einem großen Industrieunternehmen ein gegenseitiges Mentoring mit dem CEO habe vereinbaren können. Beide Seiten würden von diesem Austausch enorm profitieren. Eine tolle Sache. Doch offizielle Mentoring-Programme sind in der Regel nur in großen Unternehmen zu finden. Es gibt aber auch jede Menge informelle Wege, wie Frauen sich gegenseitig unterstützen können. Teilen statt herrschen. Andere Frauen mitnehmen, fördern und vernetzen. Tipps aus der eigenen Erfahrung und Praxis weitergeben.

Als überzeugte Netzwerkerin finde ich ja sowieso: Es kommt dabei auf die Haltung an und nicht auf das Geschlecht. 😊

 

Mein Fazit des gestrigen Abends: Eine sehr schöne Initiative von Microsoft, von der beide Seiten gleichermaßen profitiert haben. Viel sinnstiftender und unaufdringlicher können Influencer Relations nicht sein. 😉

Call to Action für euch: Schaut euch unbedingt Hidden Figures an – es lohnt sich!

Weiterführend

Microsoft Studie: Mädchen können durch weibliche Vorbilder und mehr Praxiserfahrungen für MINT-Disziplinen begeistert werden

Katrin Hilger hat den Abend ebenfalls „verbloggt“.

Jessa Crispins: Ich bin keine Feministin

Warum Feminismus Feminismus bleiben sollte

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  1. Panel mit Popcorn: 150 wunderbare Frauen auf den Spuren der „Rocket Girls“! – IT-News von PC-Meister - 10. März 2017

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