Walking Dead: Folklore und Führung

Die Serie The Walking Dead läuft schon eine ganze Weile, und ich bin immer noch fasziniert davon (leider ist jetzt erstmal Warten auf den zweiten Teil der fünften Staffel angesagt :( ) Was ich mit Zombies und Dauer-Gemantsche mit ekligen Innereien am Hut habe? Nicht viel.

Aber hey: In The Walking Dead geht es ja auch nicht wirklich um Beißer! Die sind doch nur so eine Art missratene Folklore-Truppe, um die tieferen und schwer verdaulichen Botschaften der Serie splattermäßig zu verpacken!

Walking Dead: Führung ist kein Kinderspiel

Für mich geht es in der Serie vor allem um Gruppendynamik und Führung. Dieses Grundthema zieht sich wie ein roter Faden durch alle Staffeln, es wird vielseitig und immer wieder überraschend in Szene gesetzt. Dabei lässt vor allem eines besichtigen: Es ist kein Kinderspiel, Menschen zu führen. Es ist nicht leicht,

  • das Ego im Zaum zu halten
  • für die Mitarbeiter bzw. das Team immer ein zuverlässiger Kompass zu sein, ohne dass die Leute ihr eigenes Hirn ausschalten
  • den Leuten möglichst wenig im Weg zu sein, ihnen Entwicklungschancen zu eröffnen und auch ganz konkret zu ermöglichen – Kraft des eigenen größeren Einflusses
  • ihnen den Rücken freizuhalten und das Beste aus ihnen rauszuholen
  • in schwierigen Zeiten eine klare Ansage zu machen, wie es weiter gehen soll und sich nicht vor Verantwortung zu drücken

Strahlende Helden? Fehlanzeige!

Einen makellosen Leader finden wir in The Walking Dead nicht – das wäre ja auch öde. Immerhin gibt es einen Benchmark für einen guten Chef. Das ist natürlich Rick Grimes. Er steht für die verschiedenen Phasen, durch die ein Chef gehen kann: Zu Beginn der Serie trägt er den Sheriff-Stern, ohne zu wissen, was das eigentlich bedeutet. Mit der Zeit entwickelt er sich weiter und legt dabei auch seine alte Identität als Cop ab. Sein altes Law-and-Order-Denken passt einfach nicht mehr in die völlig aus den Fugen geratene und mit Zombies bevölkerte Welt…

Im Lauf der Handlung wächst Rick bei und an der Führung seines „Teams“. Gleichzeitig begeht er schlimme Fehler und macht sich wiederholt schuldig an anderen Menschen. Manchmal weiß er weder aus noch ein und deklariert trotzdem, dass sein Wille Gesetz sei. Zwischendurch steigen ihm seine Macht und sein Egoding zu Kopf – das zeigt beispielsweise sein zuletzt schäbiges Verhalten gegenüber seiner Frau Lori, die in der Gefängnis-Staffel grausam zu Tode kommt.

Verantwortung übernehmen statt Verführen

Trotz allem hat der geneigte Zuschauer den Eindruck, dass sich Rick nicht leicht tut mit seinen Entscheidungen und auch andere dabei zu Rate zieht. Er kommuniziert und versucht immer wieder, jeden einzelnen ins „Team“ zu integrieren und mit auf die Reise zu nehmen. Starke Team-Mitglieder wie Glenn, Daryl, Carol oder Michonne stehen zu ihm, egal was passiert. Wahrscheinlich weil Rick ein Chef ist, der trotz aller Fehler und persönlicher Abgründe Verantwortung übernimmt und weil sie ihm vertrauen. Er ist zwar ein Alphatier, aber kein gefährlicher Verführer wie der Governor oder die komplett umgedrehten einstigen Gutmenschen Mary und Gareth in Terminus.

Vielleicht der einzige, der es an charakterlicher Tiefe und Führungskompetenz mit Rick aufnehmen kann, ist Hershel. Ihm gelingt es sogar, sein eigenes „Familien-Unternehmen“ nach anfänglichen Irrungen und Wirrungen an Rick als den jüngeren und stärkeren der beiden abzugeben, weil es alleine nicht überlebensfähig wäre. Fortan begleitet er die Gruppe als angesehener „Senior Berater“.

Ohne das Team geht nichts

Viele Episoden von The Walking Dead sprechen dafür, dass das Team als treibende Kraft oder Korrektiv eine ebenso wichtige Rolle spielt wie sein jeweiliger Chef – auch wenn die Gruppen manchmal kopflos agieren und scheinbar versagen, wenn alle auseinander springen und sich dadurch aus den Augen verlieren. Vorausgesetzt, dass Zusammenbleiben der Wert ist, der am meisten zählt. Manchmal scheint Trennung der beste Weg, um zu überleben und dann wieder zueinander zu finden – das illustriert beispielsweise Staffel 4 der Serie.

Mein Fazit: Für so manches Team könnte es lohnenswert sein, einfach mal den Meeting-Raum zu verdunkeln, Chips und Cola auszupacken und dann die neuesten Episoden von The Walking Dead miteinander zu inhalieren. Wer weiß, welche kreativen Ideen und Erkenntnisse sich daraus für die Zusammenarbeit zwischen Team und Chef ableiten lassen? :)

Bildquelle/Photo Credit: AMCTV