Malle, Malta und die Menschenrechte #bad13

Neulich auf Malle hatte ich überhaupt kein Problem, im Mittelmeer zu baden – und an Menschenrechte habe ich dabei erst recht nicht gedacht. Ich habe das Meer unheimlich genossen. Das Wasser war noch wunderbar warm und klar – trotz Oktober. Herrlich! Dann kamen, wie häufig im Herbst, die Meldungen aus Lampedusa. Dieses Mal schien das Ausmaß der furchtbaren Flüchtlingskatastrophe vor Europas Grenzen noch schlimmer. Vielleicht wurde das Thema aber nur verstärkt wahrgenommen, weil der neue Papst einige Zeit zuvor seine tolle PR-Nummer in Lampedusa abgezogen hatte (sorry, aber das ist meine Meinung dazu).

Mir fiel angesichts dieser schlimmen Nachrichten und Bilder unser Urlaub auf Malta vor einigen Jahren wieder ein. Abgesehen davon, dass ich Malta nicht mochte, war mir immer ein bisschen grusig, wenn ich schwimmen gegangen bin. Mir war jedes Mal klar, dass sich auch vor Malta  laufend Flüchtlingsdramen abspielen – überfüllte Boote kentern, gehen unter, viele Menschen ertrinken dabei. Das ließ sich leider nicht verdrängen – trotz des angenehmen Hotellebens mit Halbpension (wie praktisch, dass Malle im Westen des Mittelmeers vermeintlich so weit weg ist von diesen Problemen…)

Zu Besuch beim Jesuit Refugee Service in Valletta

Die, die bei ihrer beschwerlichen Reise über das Mittelmehr nicht umkommen und Malta lebend erreichen, haben ein schweres Los. Die Malteser verfahren nicht zimperlich mit ihnen, während der Rest Europas einfach wegschaut und Malta sowieso höchstens von der total nervigen stundenlangen Punkteverteilung beim alljährlichen Sangeswettbewerb kennt. Die Flüchtlinge bzw. Asylsuchenden werden meist monatelang weggesperrt, können nicht arbeiten, leben wie im Gefängnis und entwickeln sogar Hospitalismus wegen der schlechten Behandlung. Menschenrechte? Fehlanzeige.

Wir sind damals auf Malta abseits der Touristenströme durch die Hauptstadt Valletta gewandert, die übrigens 2018 Kulturhauptstadt werden soll trotz der schlimmen Dramen, die sich jedes Jahr vor der Küste abspielen! Wir waren auf der Suche nach dem Jesuit Refugee Service. Dieser versucht, gestrandeten Flüchtlingen aus Afrika in ihrer misslichen Lage zu helfen, wo es geht.

Das Gespräch mit dem zuständigen Jesuiten, der sich netterweise ein wenig Zeit für uns nahm, hat mich sehr beeindruckt. Er hat uns im  Büro des Refugee Service einen langen Wandteppich gezeigt. Den hatten Flüchtlinge gemalt, die auf abenteuerlichen Wegen ganz aus Zentralafrika gekommen waren. Er zeigte die verschiedenen Stationen ihrer “Reise” – zu sehen waren auch menschliche Skelette, an denen sie in der Wüste vorbeigekommen waren. Das habe ich nicht vergessen.

Boat

Ich habe für den Jesuit Refugee Service gespendet, und das tue ich seitdem jedes Jahr. Ich weiß, dass das letztlich nicht viel hilft und schon gar nichts ändert. Ich freue mich aber vorsichtig, dass offenbar jetzt Bewegung in die Diskussion um die “Festung Europa” kommt, und ich bewundere Projekte wie “ein Leuchtturm für Lampedusa“. Ich hoffe, dass ich mein Know-how und meine Energie bald mehr für Projekte einsetzen kann, die sich mit dem Thema Menschenrechte befassen. Vielleicht ist die Arbeit in der Bahnhofsmission ein Anfang.

Heute ist Blog Action Day zum Thema “Human Rights”. Die fast schon traditionelle und weltweite Blogparade hat mich an mein Malta-Erlebnis erinnert. Danke dafür.

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