Das Blog ist tot, lang lebe das Blog?

Das Blog ist Kummer gewöhnt, denn es wird mit schöner Regelmäßigkeit totgesagt. Zuletzt hielt Alt-Blogger Jason Kottke in diesem Beitrag auf Nieman Journalism Lab eine Grabrede auf das Medium. Blogs würden nur noch von Menschen jenseits der 40 betrieben, jüngere hätten dafür kaum einen Sinn. Das alte Prinzip der Linkverteilung über Blogs sei im Aussterben begriffen, das neue Bloggen verlagere sich auf soziale Netzwerke wie Twitter, Instagram, Facebook & Co.  Eine vermeintlich tröstliche Nachricht hält Kottke immerhin bereit: die “DNA” des Bloggens, der umgekehrt chronologische Nachrichtenstream, lebe (noch) auf den vielen neuen Netzwerken weiter.

Aber auch beim Design zeichneten sich Veränderungen ab – dadurch verliere der Stream stetig an Bedeutung. Viele Blogs könne man schon vom Design her nicht mehr Blogs nennen, so Kottke. Und sie würden sich auch selbst nicht mehr so bezeichnen. Genau das ist ein Punkt, der mich als Corporate Bloggerin seit einiger Zeit umtreibt. Allein aus Gründen der Leserfreundlichkeit schätze ich die umgekehrte Chronologie der Beiträge, wie sie ein klassisches Blog bietet. Aber wie relevant ist die übliche Blog-Startseite aus Sicht der Leser überhaupt? Die meisten steigen ohnehin über einen Direktlink in die Lektüre ein, etwa wenn sie von Twitter kommen, wo der Beitrag beworben wurde. Was ein Blog ist oder wie es aussehen sollte, wissen viele nicht. Müssen sie auch nicht. Wichtig ist schließlich der Inhalt. Ist ein klassisches Blog-Layout also überhaupt noch notwendig?

Hochglanz-Kommunikation statt Blog?

Webseiten wie beispielsweise die des IT-Systemhauses Cancom gehen neue Wege. Weder nennt sich der Auftritt Blog, noch präsentiert er sich äußerlich so. Die Inhalte werden auf der Einstiegsseite in modischer Kachelform angeboten, eine kurze Vorschau auf die Beiträge gibt es jenseits der Titel allerdings nicht. Außerdem wird die Seite offenbar von einem externen Dienstleister bespielt, der die Leser vor allem mit News aus der IT-Welt versorgt. Nähere Einsichten zu Cancom als Unternehmen, Blicke hinter die Kulissen? Fehlanzeige. Zu einer Interaktion mit der Seite regt das nicht gerade an. Muss auch nicht sein, wenn das Konzept ein anderes ist.

Das Beispiel zeigt einen Weg, den Unternehmen möglicherweise in Zukunft verstärkt wählen werden. Professionelles und zeitgemäßes Content Management müssen sie (ob sie wollen oder nicht) in heutiger Zeit betreiben, um im Netz sichtbar und damit erfolgreich zu sein. Doch die Mühe, ein Blog mit internen Experten als Autoren aufzubauen oder gar in einen aktiven Dialog mit den Lesern zu treten, wollen oder können sich viele nicht machen – so mutiert das Blog zum (eingekauften) Online-Magazin. Es könnte sein, dass deshalb auch die Kommentarfunktion auf solchen Webseiten über kurz oder lang sanft entschlafen wird – nicht etwa aus Halbherzigkeit wie bei Amazon, sondern weil Kommentare schlicht Arbeit machen oder nicht gut aussehen.

Dialog integrieren statt auslagern

Hat das Corporate Blog in seiner mehr oder weniger gängigen Form seine kurze Blüte in Deutschland bereits hinter sich? Droht auf Firmen-Blogs eine Rückkehr zur einseitigen Hochglanz-Kommunikation? Oder ändert sich das Selbstverständnis von Blogs und damit auch ihre Benennung, weil sich das Gespräch mit den Stakeholdern auf die anderen Social Channels, die das Unternehmen betreibt, verlagert hat?

Gibt es bessere Möglichkeiten, neue Wege in der Online-Kommunikation zu gehen? Mein Wunsch bzw. meine Vision für die Zukunft ist es, den Dialog mit den Lesern/Fans/Followern viel stärker in den eigenen Webauftritt zu integrieren. Das ist bei der Mehrzahl der Unternehmenauftritte heute nicht der Fall. Vom Webauftritt losgelöst operierende Corporate Blogs, Auftritte in den Social Networks oder Social Sharing Buttons auf der Website waren ein Anfang – aber warum kann nicht der gesamte Webauftritt eines Unternehmens der Raum für eine Marken-Community sein – mit spannenden, relevanten Inhalten, mit vielfältigen Feedback-Möglichkeiten, mit einem laufenden Dialogangebot?  Dann brauchen wir meinetwegen auch nicht mehr über “Blogs” sprechen.

Bloggen ist auch deshalb eine Herausforderung, weil es im stillen Kämmerlein geschieht. Deshalb freue ich mich über euer Feedback – egal auf welchem Kanal. 😉

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