Rote Ampeln: Meine heimlichen Verbündeten

Von manchen Menschen heißt es: sie/er ist immer die Ruhe selbst! Beneidenswert: ich bin definitiv ungeduldig. Oft kann es mir nicht schnell genug gehen.

  • Über rote Ampeln, die einfach nicht umspringen wollen, ärgere ich mich häufig schwarz
  • Wenn die S-Bahn-Schranke auf dem Weg zur Arbeit vor meiner Nase runtergeht, schimpfe ich wie ein Rohrspatz
  • Wenn der Rechner sich beim Hochfahren mal wieder Zeit lässt, bin ich schon latent genervt

Warum eigentlich? Die klassische Antwort, die ich in einem solchen Moment geben würde: Ich verliere wertvolle Zeit! Oder: das ist tote (!) Zeit, die ich nicht sinnvoll nutzen kann. Bullshit! Wenn ich ein paar Sekunden an der roten Ampel stehe, kann ich zum Beispiel in Ruhe den wunderbaren Rosenstrauch betrachten, der auf der rechten Straßenseite blüht. Oder die Frau im Wagen hinter mir, die so hübsch in der Nase bohrt.Rote Ampel

Was ich davon habe? Ich komme genau in dem Moment an, in dem ich gerade bin! Genau genommen gibt es ja NUR den und sonst nichts. Wenn mir das gelingt, entspanne ich mich automatisch, und die vermeintliche Eile kann warten. Das ist meine Erfahrung. Ich finde es sehr treffend, was Eckhart Tolle dazu sagt:

“Viele Menschen sehen in dem JETZT, in dem gegenwärtigen Moment, nur einen Stolperstein. Sie glauben, dass sie in einem zukünftigen Moment glücklicher sein werden als im JETZT. Dabei handelt es sich bei der Zukunft nur um eine Gedankenform, denn keiner hat die Zukunft jemals getroffen. Wenn sie kommt, dann ist sie wieder der gegenwärtige Moment. Aber das realisieren die meisten Menschen nicht, egal in welchen Lebensumständen sie sich befinden.”

loading2

Warum sollte das Jetzt Vorfahrt haben? Ist doch klar! Das befördert die Achtsamkeit. Ich bin weniger selbstvergessen und stolpere folglich seltener über meine Füße (clumsy you! 😉 ) Wenn ich meine Umgebung und was darin vor sich geht, bewusst wahrnehme und mich nicht ununterbrochen von meinem Gedankenstrom (was ist in einer Stunde, was muss ich morgen machen, was hab ich gestern falsch gemacht etc.) beherrschen lasse, setze ich einen Fuß sorgsam vor den anderen. Außerdem tut sich meiner Erfahrung nach tatsächlich ein Raum auf für neue Ideen und Perspektiven!

Seid ihr schon mal so “gedankenverloren” durch die Gegend gerannt, dass ihr den richtigen U-Bahn-Ausstieg verpasst habt? Oder innerlich so beschäftigt gewesen, dass ihr einem anderen Menschen gar nicht richtig zugehört habt? Ich schon ab und an. Davon geht die Welt nicht unter, aber ich mag das immer weniger.

Hab Geduld mit jedem Tag deines Lebens, sagt Buddha. Okay, ich will es versuchen, auch wenn es zunächst nur einmal am Tag “gelingt”. Schließlich sagt der gute alte Konfuzius: Der Weg ist das Ziel.

Rosen_klein

P.S.: Entschleunigung ist immer eine gute Idee: Das hat auch Iron Bloggerin Sonya Schlenk neulich mit ihrer kleinen Schiffsreise über den Bodensee bewiesen.