Influencer Relations: Goldgrube mit Schönheitsfehlern

Influencer Relations: Alte Werbedenke ist nicht totzukriegen

Wenn ich „Bibi“ oder „Sami“ wäre, würde ich wohl wild mit den Armen rudern und folgende Juchzer von mir geben: „Bo, ich  bin so aufgeregt, ich kann es noch gar nicht fassen, voll geil, ich freu mich so!“ Denn im März halte ich auf der ITB 2016 einen Vortrag über „Influencer Relations“. Aber ich glaube, ihr seid für solche Ergüsse nicht die richtige Zielgruppe. 😉

Dass die noch junge Kommunikationsdisziplin gerade für die Tourismus-Branche verlockend und vielversprechend ist, liegt auf der Hand. Immerhin gehört das Thema Reisen zu den Top Ten unter den Themen, die auf Social Media gesucht werden. Um meinen Vortrag vorzubereiten, bin ich jetzt mal das Material durchgegangen, das ich in den vergangenen Wochen gesammelt habe. Da ich heute nicht bei Adam und Eva anfangen kann und will: Was genau hinter dem Begriff steckt und welche Entstehungsgeschichte die Influencer Relations haben, erfahrt ihr in diesem schönen Überblicksbeitrag von Klaus Eck.

Imageverlust durch Schleichwerbung

Mein Eindruck, dass es um die Influencer Relations stiller geworden ist, hat sich beim Flöhen der Links nicht bestätigt. Ich denke aber, dass sie auf jeden Fall entmystifiziert sind. Schuld daran sind nicht nur Influencer, die scheinbar blauäugig Schleichwerbung für Produkte betreiben, ganz einfach weil sie damit richtig Kohle machen. Auch Unternehmen, die davon träumen, dass sie die Reichweite von Influencern ohne Rücksicht auf Verluste einkaufen können, ohne sich um einen langfristigen Beziehungsaufbau und damit auch glaubwürdigere Inhalte zu scheren, kratzen das Image der Disziplin leider erheblich an.

Dabei ist die Rechtslage klar. Rechtsanwältin Dr. Beatrice Brunn: „Fakt ist: Werbung muss als solche gekennzeichnet sein (= Kennzeichnungspflicht) – mit „Werbung“ und „Anzeige“. Und dazu gehört auch Influencer Marketing (= kommerzielle Kommunikation). Ein „Sponsored by“ ist rechtlich nicht wasserdicht. Übrigens genauso wenig wie „PR-Mitteilungen“, „Sonderveröffentlichung“ oder „PR-Anzeigen“.

In diesem Video, das letztlich Neckermann-Reisen bewirbt, blendet Star-Vloggerin Bibi immerhin sehr dezent ein, dass darin Product Placement stattfindet

Der bekannte Vlogger Sami reist als Markenbotschafter für TUI um die Welt

Der Lack ist also ab. Dennoch werden Kooperationen zwischen Unternehmen und Bloggern bzw. Influencern inzwischen gar als Wirtschaftsfaktor gesehen – auch wenn viele Formen davon mehr als fragwürdig sind. Ob der Kodex für Marketiers und Kommunikationsverantwortliche, der auf der Konferenz #INREACH in Berlin vorgestellt wurde, dabei hilft, dieses Treiben einzudämmen, bleibt abzuwarten.

Influencer Relations: Grauzonen in der Tourismus-Branche

Bei meinen Recherchen bin ich übrigens auch auf die aktuelle Ausgabe des #Tourimag gestoßen, die sich ausschließlich mit Influencer Relations in der Tourismusbranche befasst. Dass sich gerade in dieser Branche viele Grauzonen im Umgang mit dem Thema auftun, habe ich schon häufig aus meinem Netzwerk gehört. Ich bin gespannt, ob dieses heiße Eisen im #Tourimag angefasst wird.

Nützliche Informationen zu Dos und Donts in Sachen Influencer Relations  und viele interessante Praxisbeispiele finden sich auch in diesem Vortrag von Johannes Lenz für die letztjährige #Blogcom.

So, das waren meinen gesammelten Links und Gedanken zum Thema Influencer Relations.

Abschließend möchte ich dieses schöne Plädoyer von Futurebiz zitieren, weil ich es einfach sehr treffend und herzerwärmend finde:

Wir buchen Influencer wie Anzeigen und wundern uns dann, dass nach Ablauf einer Kampagne wieder alles beim Alten ist und kein langfristiger Erfolg entsteht. Produkte in die Kamera oder vor das Smartphone halten ist nur eine Facette des Influencer Marketing und in vielen Fällen haben sich die Follower hieran schon satt gesehen. Wenn wir an dieser Stelle einen Vergleich zu Facebook machen, wäre es ein Chronik Gewinnspiel. Kurzfristig schießen die Interaktionen durch die Decke und für alle kommenden Inhalte interessiert sich niemand. Oder zumindest nicht mehr Menschen als davor. Wir sollten auf Influencer hören und ich bin der Meinung, dass Unternehmen mehr von Influencern lernen können, als Influencer vorn Unternehmen.

Eines noch: Wenn ihr interessante Praxisbeispiele kennt, wie sich Influencer Relations speziell im Rahmen von Events oder Messen erfolgreich mit einbinden lassen – am besten natürlich welche aus der Tourismusbranche! – stelle ich sie sehr gerne bei der ITB für euch vor.

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