„Die Menschen sind es nun gewohnt, nicht wegen, sondern trotz Kommunikation zu kaufen“. Eine steile These, die leider nicht ganz von der Hand zu weisen ist und die ich in einem Kommentar unter meinem Blogpost zum Thema Content Marketing: Stunde der Geschichten-Erzähler fand.

Tatsache ist: Beispiele für vermurkste Unternehmenskommunikation gibt es wie Sand am Meer. Dennoch scheint es immer wieder Abnehmer für dilettantisch angepriesene Ware oder Dienstleistungen zu geben – sonst wäre die Lernkurve bei uns Kommunikatoren, die wir dafür mitverantwortlich sind, doch steiler?

Übrigens muss es gar nicht gleich um eine spektakulär misslungene Krisenkommunikation mit einhergehendem Shitstorm gehen. Wir alle erleben (als Kunden) den riesigen Fundus an Fails und Nervereien, die auf das Konto von Marketing und/oder PR gehen, täglich am eigenen Leib. Und manchmal ist es wirklich zum aus der Hose hüpfen!

Von hohlen Phrasen bis zum Stalking im Web

Der Klassiker unter den Alltime Top Ten: „Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt!“ Jede Agentur, die nach den Alleinstellungsmerkmalen ihres neuen Auftraggebers fragt, um ein Kommunikationskonzept zu erstellen, hört das mindestens hunderttausend mal (und rollt dabei vermutlich heimlich mit den Augen). Aber die Agentur soll das am besten gleich auf alle Anzeigen und sonstige Verlautbarungen schreiben. Nur: Was sagt diese Phrase eigentlich aus? Und was hat der Kunde des Unternehmens davon? Richtig: Nichts.

Dann gibt es noch die Gattung der sinnlosen und obendrein schwer verständlichen Unternehmensmeldung. Das Beispiel hier ist schon mal ein Volltreffer: „Im April 2015 unterzeichneten Florian Hermle, Geschäftsführer der xxxx GmbH mit Sitz in Neuhausen a.d.F. und Prof. Dr.-Ing. Jürgen Kletti, Geschäftsführer der xxxx MPDV Mikrolab GmbH, eine Kooperationsvereinbarung. Ziel ist die gegenseitige Unterstützung bei der Vermarktung von MOLD-ID von xxx und dem Manufacturing Execution System (MES) HYDRA von xxxx.“ Aber gut – vielleicht gibt es ja wirklich eine Zielgruppe für diese Information? Das Pressefoto dazu erspare ich euch übrigens. 😉

Doch damit nicht genug! In neuerer Zeit sind die lästigen Onlineanzeigen dazu gekommen, die sich nicht nur dreist über die Texte legen, die wir eigentlich gerade lesen wollen, sondern uns auch noch auf Schritt und Tritt durchs Web verfolgen. Nur weil wir in unserer naiven Art auf der Suche nach einem schicken Paar Schuhe eine bestimmte Website besucht haben. Dazu wurde bei Richard Gutjahr auf dem Blog kürzlich so ziemlich alles gesagt, was richtig und wichtig ist.

Schweigen und leere Versprechen

In Zeiten von Social nach wie vor sehr beliebt: Kunde fragt oder meckert auf Facebook und Co. – und erhält keine Antwort.  „Aber das ist keine Service-Seite, sondern sie dient unserem Branding!“ Bitte dieses selbstbeschauliche Argument ganz schnell vergessen, denn dem Kunden ist das wumpe! Klar, Social ist nicht immer einfach – gerade, wenn die Strategie oder die Ressourcen fehlen. Aber es ist nun einmal so: Entweder ein Unternehmen öffnet einen Dialogkanal und bedient ihn dann auch. Oder es bleibt bei der guten alten Website mit Kontaktformular.

Auch rosige, aufwändig in Szene gesetzte Kundenversprechen auf riesigen Werbetafeln, die konsequent nicht eingehalten werden, machen wütend. Oft gehen die Menschen ihnen auf dem Leim, obwohl sie schon beim Kauf ahnen, dass ein Haken dabei sein muss. Das Beste ist: Dieses dreiste Geschäftsgebahren hat scheinbar keine wirtschaftlichen Konsequenzen für die Anbieter. Jeder, der schon einmal seinen Internet-, Telefon- oder Handyvertrag gewechselt hat, kann ein Lied davon singen, WIE ohnmächtig man sich als Kunde fühlen kann.

Last but not least darf die berühmte Seitenbacher Werbung nicht fehlen! Wetten, ihr habt eins im Küchenregal stehen – trotz dieser akustischen Zumutung?! 😉

Verratet ihr mir eure Lieblingsfails in Sachen Unternehmenskommunikation? Ich freu mich drauf!

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